Für wen schreibst du? Buyer Persona und Buying Center im B2B

Bevor du Käuferfragen beantwortest, musst du wissen, wer fragt. So definierst du ICP, Buyer Personas und das Buying Center und leitest daraus relevante Themen ab.

Jan-Hendrik HeuingAktualisiert

Ein gut gelesener Artikel ohne Anfragen

Ein Industriekunde zeigte mir seinen meistgelesenen Blogbeitrag. Die Zahlen und die Verweildauer waren ordentlich, der Artikel hatte sogar ein paar Backlinks. Eine Anfrage hatte er trotzdem nie ausgelöst. Beim genaueren Hinsehen war der Grund klar: Der Text beantwortete einem technischen Anwender eine Detailfrage zur Bedienung. Gelesen wurde er vor allem von Studierenden und Bestandskunden. Der kaufmännische Leiter, der über den Kauf entschied, kam darin nicht vor.

Auch guter Content trägt wenig zur Pipeline bei, wenn er die falsche Person anspricht. Bevor du systematisch Käuferfragen beantwortest, solltest du deshalb klären, wer diese Fragen stellt. Im B2B ist das meist mehr als eine Person.

Dabei helfen zwei Werkzeuge, die oft verwechselt werden. Eine Buyer Persona beschreibt einen Menschen. Das Buying Center beschreibt die Gruppe, die an einer Kaufentscheidung beteiligt ist. Mit dieser Trennung lassen sich Inhalte gezielter planen.

ICP und Persona sind nicht dasselbe

Das Ideal Customer Profile, kurz ICP, beschreibt das Unternehmen, das zu dir passt. Dazu gehören Branche, Grösse, Umsatz, Region, technischer Reifegrad und typische Auslöser für einen Kauf. Die Buyer Persona beschreibt dagegen eine Person in diesem Unternehmen: ihre Rolle, Ziele, Belastungen und Fragen.

Sinnvoll ist, zuerst das ICP und danach die Personas zu definieren. Sonst kann ein Inhalt zwar die richtige Rolle ansprechen, aber den falschen Unternehmenstyp erreichen. Wenn dein Angebot für Teams mit 20 bis 50 Mitarbeitenden gedacht ist, zieht ein Artikel über CRM für Teams ab 200 Mitarbeitenden nicht die passenden Interessenten an. Auch die Frage, ob sich SEO für nischige Angebote lohnt, hängt davon ab, wie präzise dein ICP ist.

Ein brauchbares ICP passt auf eine halbe Seite. Es enthält harte Filterkriterien, die ein Unternehmen als Kunden überhaupt infrage kommen lassen, und weiche Präferenzkriterien für Wunschkunden. Lege dazu die letzten zehn guten Abschlüsse neben die letzten fünf gescheiterten Projekte und prüfe, was die erfolgreichen Fälle gemeinsam hatten.

Im B2B entscheidet ein Gremium

Für eine durchschnittliche B2B-Investition nennen gängige Studien fünf bis sieben Beteiligte. Dieses Gremium heisst Buying Center. Seine Mitglieder verfolgen unterschiedliche Interessen, und mehrere von ihnen können ein Projekt stoppen. Es reicht deshalb nicht, nur die offensichtlichste Kontaktperson mit Informationen zu versorgen.

Typischerweise kommen diese Rollen vor:

  • Die Initiantin erkennt das Problem und stösst die Suche an.
  • Der Anwender muss später mit der Lösung arbeiten und fürchtet zusätzlichen Aufwand.
  • Die technische Prüferin oder Gatekeeperin bewertet Machbarkeit, Sicherheit und Integration. Sie kann Anbieter früh aussortieren.
  • Die wirtschaftliche Entscheiderin gibt das Budget frei und beurteilt Risiko und ROI.
  • Der Einkauf vergleicht Anbieter formal und verhandelt die Konditionen.
  • Der interne Fürsprecher oder Champion möchte das Vorhaben durchbringen und vertritt dich intern, wenn du nicht dabei bist.

Du musst deinen Champion also mit den passenden Unterlagen ausstatten. Vergleichstabellen, Kostengrundlagen und Antworten auf Risiken helfen ihm, intern für einen Anbieter zu argumentieren. Diesen Mechanismus nutzt später auch das Assignment Selling.

Eine Frage, mehrere Bedeutungen

Die Frage Was kostet das? meint je nach Rolle etwas anderes. Der Anwender will wissen, ob sein Alltag aufwendiger wird. Die technische Prüferin sucht nach versteckten Integrationskosten. Die wirtschaftliche Entscheiderin fragt nach Amortisation und dem Risiko eines Fehlschlags. Der Einkauf prüft, ob der Preis marktgerecht und verhandelbar ist.

Eine gute Kostenseite berücksichtigt diese Lesarten. Beiträge wie Was kostet ein Wachstumsprogramm verbinden deshalb Preisspanne, Kostentreiber, Amortisationslogik und Abgrenzung. Damit bedienen sie mehrere Rollen, ohne alle mit demselben Text direkt anzusprechen.

Für die Planung eignet sich eine einfache Matrix. Trage die Rollen in die Zeilen und die Phasen der Kaufreise in die Spalten ein. In jede Zelle kommen die Fragen, die eine Rolle in der jeweiligen Phase stellt. Daraus entsteht ein Themen-Backlog, der sich am Entscheidungsweg orientiert. Leere Felder zeigen, für welche Rollen oder Phasen Inhalte fehlen.

Personas aus echten Informationen entwickeln

Erfundene Personas helfen kaum. Ein Steckbrief mit Stockfoto, Lieblingskaffee und ausgedachten Hobbys sieht im Workshop vollständig aus, wird beim Schreiben aber selten gebraucht. Belastbare Personas stützen sich auf drei Quellen.

Die erste Quelle sind Gespräche mit dem Vertrieb. Dort liegen die wiederkehrenden Einwände, Bedenken und Formulierungen der Käufer. Ein geeignetes Format dafür sind Insight-Sessions mit dem Vertrieb. Sprich zweitens mit echten Kunden, am besten kurz nach dem Abschluss, solange sie sich an ihre Recherche erinnern. Nutze drittens vorhandene Daten wie Suchanfragen, häufige Support-Tickets und die meistgelesenen Seiten.

Für die Content-Arbeit sollte eine Persona drei Dinge festhalten: das Ziel der Person und woran sie gemessen wird, ihren grössten Vorbehalt sowie ihre typischen Fragen im O-Ton. Weitere Angaben sind nur dann sinnvoll, wenn sie eine redaktionelle Entscheidung beeinflussen. Halte das Profil so kurz, dass die Redaktion es vor dem Schreiben tatsächlich liest.

Vom Profil zum Themenplan

Aus ICP, Buying Center und Personas müssen konkrete Entscheidungen folgen. Bestimme für jeden Inhalt einen primären Adressaten, statt alle Rollen gleichzeitig anzusprechen. Prüfe, welche Rollen bisher kaum Informationen bekommen. Suche ausserdem nach Fragen im Kaufprozess, deren fehlende Antwort eine Entscheidung blockiert.

So entsteht eine Themenlandkarte, die nicht nur nach Suchvolumen sortiert ist, sondern nach ihrem Beitrag zur Kaufentscheidung. Das trennt reine Reichweite von Content, der Anfragen erzeugt.

Wenn dein Marketing an wichtigen Rollen vorbeischreibt, gehören ICP und Buying Center an den Anfang eines Inbound-Programms. Wir leiten sie aus den letzten realen Abschlüssen ab, statt sie am Whiteboard zu erfinden. Dabei zeigt sich häufig, dass wichtige Rollen bisher gar nicht angesprochen werden.