Was kostet ein SEO-Wachstumsprogramm im B2B?

Ein SEO-Budget besteht nicht nur aus dem Agenturhonorar. Redaktion, interne Mitarbeit, technische Grundlagen, Beratung und Tools bestimmen die Vollkosten eines zwölfmonatigen Wachstumsprogramms.

Jan-Hendrik HeuingAktualisiert

Warum der Agenturbeitrag nicht das ganze Budget ist

Bei der Budgetplanung für ein SEO-Wachstumsprogramm wird oft der monatliche Agenturbeitrag mit zwölf multipliziert. Damit fehlen interne Arbeitszeit, Tools, technische Investitionen und Beratung. In unseren Programmen macht die Agentur im ersten Jahr durchschnittlich ungefähr ein Drittel der gesamten Kosten aus. Die übrigen Posten bilden zusammen den grösseren Teil.

Eine allgemeine Preisliste wäre wenig hilfreich, weil Ausgangslage, Standort, Anspruch und vorhandenes Wissen den Aufwand stark verändern. Besser vergleichen lassen sich die fünf Kostenblöcke und ihr Verhältnis im ersten Programmjahr.

Die fünf Kostenblöcke

Redaktion und Content-Produktion

Die Redaktion ist meist der grösste Einzelposten. Für zwei bis drei substanzielle Artikel pro Woche braucht es eine Vollzeitkraft oder eine entsprechend umfangreiche externe Leistung. In typischen B2B-Programmen aus unserer Arbeit entfallen 50 bis 70 Prozent des Gesamtbudgets auf diesen Bereich.

Besonders ins Gewicht fällt die Recherchetiefe. Ein Big-5-Artikel mit Erkenntnissen aus dem Vertrieb, eigenen Datenpunkten und ausführlichen Beispielen kostet ungefähr zwei- bis dreimal so viel wie ein generischer Themenartikel. Vorhandene Whitepapers, Vorträge oder Newsletter können den Aufwand dagegen senken. Werden sie gezielt zu Wissensartikeln verarbeitet, benötigen wir pro Beitrag ungefähr halb so viel Zeit.

Strategische Steuerung und Beratung

Eine externe Beratung oder interne SEO-Leitung entscheidet über Themenarchitektur, Topic-Cluster, Big-5-Logik, Redaktionsplan, Update-Zyklen und technische Anforderungen. Dieser Block umfasst meist 15 bis 25 Prozent des Gesamtbudgets, im ersten Quartal etwas mehr.

Die Arbeit besteht nicht primär im Schreiben, sondern in der Auswahl und Reihenfolge der Themen sowie der nötigen Tiefe. Ohne Steuerung entstehen einzelne Texte ohne zusammenhängende Architektur. Ohne Redaktion bleibt es bei Plänen.

Technische Grundlagen und Pflege

Im ersten Jahr entfallen meist 5 bis 15 Prozent auf das technische Setup und die laufende Pflege. In späteren Jahren sinkt dieser Anteil.

Zum Setup gehören Schema.org-Markup, strukturierte Daten, Sitemap, die Optimierung der Core Web Vitals und CMS-Anpassungen für saubere Content-Modelle. In Sonderfällen kommt eine URL-Migration hinzu.

Ein veralteter Tech-Stack kann diesen Block erheblich vergrössern. Ein 15 Jahre altes CMS erfordert mehr Anpassungen als eine moderne Headless-Architektur. Entsprechend können Migrations- oder Umbaukosten deutlich über einem technisch sauberen Setup liegen.

Tools

Tools sind in den meisten B2B-Mittelstandsprogrammen der kleinste Posten und liegen oft unter 5 Prozent des Budgets.

Ein üblicher Stack besteht aus einem SEO-Tool für Keyword- und Wettbewerbsdaten sowie den kostenlosen Angeboten Analytics und Search Console. Optional kommen ein Tool zur Content-Optimierung, ein Schema-Validator oder eine moderate Lizenz für KI-Schreibassistenz hinzu. Eine grosse Tool-Sammlung gleicht fehlende Methoden oder redaktionelle Kapazität nicht aus.

Weitere Kosten

Zusätzliche Ausgaben summieren sich über zwölf Monate meist auf 10 bis 20 Prozent des Budgets. Dazu gehören:

  • Bilder, Grafiken und Visualisierungen
  • Backlink-Outreach, falls er Teil des Programms ist
  • Insight Sessions mit dem Vertrieb und die dadurch gebundene Vertriebszeit
  • eine programmatische Schicht samt Setup und Pflege der Datenquelle

Beim Backlink-Outreach erleben wir im B2B häufig ein ungünstiges Verhältnis von Aufwand und Wirkung. Dennoch muss er in der Kalkulation stehen, wenn er geplant ist.

Drei Grössen für ein zwölfmonatiges Programm

Die folgenden Stufen unterscheiden sich nach Ambition und Output, nicht nach festen Preisen.

Stufe 1: schlank

Eine interne Person arbeitet mit einem Pensum von 50 Prozent am Programm und erhält in moderatem Umfang externe Beratung. Über zwölf Monate entstehen 60 bis 100 substanzielle Inhalte. Dieses Modell passt zu Mittelständlern mit einem klaren Thema, vorhandener Schreibkompetenz und einem überschaubaren ersten Wachstumsziel.

Stufe 2: Standard

Eine interne Vollzeitredaktion oder eine entsprechende externe Leistung produziert zwei bis drei Inhalte pro Woche. Hinzu kommen kontinuierliche Beratung und ein solides technisches Setup. Das ergibt 100 bis 180 substanzielle Inhalte in zwölf Monaten, optional ergänzt durch eine programmatische Schicht. Dieses Modell ist für Mittelständler mit weitergehenden Wachstumszielen gedacht.

Stufe 3: ambitioniert

Mehrere interne oder externe Redakteure arbeiten mit einer eigenen programmatischen Schicht, einer echten Datenquelle, einem umfangreichen technischen Setup und intensiver Beratung. Geplant sind 200 bis 400 substanzielle Inhalte sowie 100 bis 500 programmatische Seiten. Der Aufwand passt nur zu klar definierten Wachstumszielen und einem ausreichenden Mandantenvolumen.

Ein Unternehmen kann mit Stufe 1 beginnen und nach sechs Monaten anhand messbarer Ergebnisse ausbauen. Wer direkt mit Stufe 3 startet, ohne die fachliche Grundlage für Stufe 1 zu besitzen, riskiert viel Output mit wenig Substanz.

Was die Verteilung des Budgets zeigt

Personal dominiert in allen drei Stufen, unabhängig davon, ob es intern oder extern beschäftigt ist. Wer diese Kosten durch grosse Mengen KI-generierter Texte ersetzen will, riskiert Inhalte, die bei einer weiteren HCU-Welle abgewertet werden. Den Zusammenhang erläutert Helpful Content Update: was Google seit 2024 wirklich bestraft.

Das zweite Jahr kostet nach unseren Erfahrungswerten ungefähr zwei Drittel des ersten. Setup und programmatische Schicht sind dann aufgebaut, die technische Basis steht. Laufend bleiben vor allem Redaktion und Pflege.

Auch Backlinks sind in unserer Kalkulation selten ein sinnvoller grosser Einkaufsposten. Substanzielle Inhalte können selbst Verlinkungen anziehen. Im B2B beobachten wir dabei oft bessere Links als bei bezahltem Outreach.

Premium-Tools lohnen sich erst, wenn Redaktion und Steuerung funktionieren. Fehlt diese methodische Basis, verschiebt eine umfangreiche Tool-Suite nur das Budget.

So planen wir ein Programm

Am Anfang stehen vier Fragen.

Erstens prüfen wir, welches Material bereits vorhanden ist. Whitepapers, Vorträge und Newsletter-Archive können die Redaktionskosten deutlich senken, wenn die Redaktion sie gezielt erschliesst.

Zweitens klären wir die interne Schreibkapazität. Interne Arbeit spart zwar externe Honorare, verursacht aber Opportunitätskosten. Beide Seiten gehören in dieselbe Rechnung.

Drittens muss der geplante Output zum Geschäftsmodell passen. Ein Mittelständler mit zwölf grossen Mandanten pro Jahr braucht keine 400 Artikel. Bei 200 kleineren Mandanten kann ein grösserer Bestand sinnvoll sein.

Viertens braucht das Programm genügend finanziellen Atem. Nach unseren Erfahrungswerten trägt SEO frühestens in den Monaten 6 bis 9 finanziell bei, oft erst im Monat 12. Ist das Budget bereits im vierten Monat aufgebraucht, endet die Arbeit möglicherweise vor den ersten Resultaten.