Was kostet Inbound Marketing im B2B-Mittelstand?

Wer ein Inbound-Marketing-Programm im B2B-Mittelstand kalkulieren will, bekommt von Agenturen meistens die Antwort das hängt davon ab. Die Antwort ist nicht falsch, nur unbrauchbar. Hier stehen die Bandbreiten, getrennt nach intern und extern, mit den drei häufigsten Kostenfallen.

Jan-Hendrik Heuing

Bandbreiten statt Das kommt darauf an

Die häufigste Frage in Erstgesprächen über Inbound lautet nicht Wie funktioniert das?. Sie lautet Was kostet das?. Und die häufigste Antwort, die Interessenten bekommen, beginnt mit Das kommt darauf an und endet nirgends. Nicht falsch, nur unbrauchbar.

Wer eine grössere Investition prüft, braucht eine Grössenordnung im Kopf, bevor das erste Gespräch überhaupt sinnvoll ist. Deshalb stehen die Bandbreiten hier, getrennt nach intern, extern und Tooling.

Die drei Kostenblöcke

Ein Inbound-Programm hat drei strukturelle Kostenpositionen, unabhängig davon, ob intern oder extern gearbeitet wird.

Die Inhalte selbst. Wer Käuferfragen systematisch beantwortet, produziert pro Monat zwei bis sechs substantielle Artikel (je 1500 bis 3000 Wörter), dazu Video- oder Audio-Formate, gelegentlich Whitepapers oder Vergleichsseiten. Das ist die sichtbare Schicht.

Die operative Infrastruktur. CRM, Marketing-Automation, Analytics, Tracking, Reporting. Wenn diese Schicht fehlt oder bricht, entstehen Anfragen, die niemand sieht, und Pipeline, die niemand misst. Mehr dazu im Beitrag Warum dein CRM nicht genutzt wird.

Die interne Aufstellung. Themen aus dem Vertrieb, Freigaben durch Fachexperten, Lead-Übergabe an Sales. Diese Kosten tauchen selten in Angeboten auf, entscheiden aber über Wirkung oder Nichtwirkung des Programms.

Externes Setup mit einer Agentur

Wer ein Inbound-Programm mit externer Unterstützung aufbaut, kalkuliert für den Schweizer Mittelstand mit folgenden Grössenordnungen.

Setup-Phase, einmalig: 15'000 bis 40'000 CHF. Enthalten sind Standortbestimmung, Themen-Backlog aus Vertriebsfragen, Topic-Cluster-Architektur, Redaktionsleitfaden, technische Grundlagen auf der Website. Wer ein bestehendes CMS und ein eingerichtetes CRM mitbringt, liegt am unteren Rand. Wer beides aufbauen muss, am oberen.

Laufendes Programm, monatlich: 4'000 bis 12'000 CHF, mit etwa 6'000 CHF als typischem Richtwert für ein wirksames Programm im Mittelstand. Diese Bandbreite hängt am Output. Bei zwei Artikeln pro Monat und Quartalsreports liegst du am unteren Rand. Bei vier bis sechs Artikeln, laufender Pillar-Pflege, Video-Produktion und engerer Vertriebs-Verzahnung am oberen.

Was bei Reazon konkret in diesen Bandbreiten enthalten ist, steht im Beitrag Was kostet Content Marketing mit Reazon.

Internes Pendant ohne Agentur

Wer alles intern aufbaut, rechnet anders, aber nicht günstiger.

Ein Inbound-Programm im B2B-Mittelstand braucht intern mindestens eine 60-Prozent-Stelle für Content und Redaktion, eine 20-Prozent-Beteiligung der Geschäftsführung oder eines Senior-Beraters für Substanz und Freigaben, und Zeit aus dem Vertrieb für Insight Sessions und Themen-Nominierung.

In Schweizer Vollkosten sind das 10'000 bis 18'000 CHF pro Monat. Diese Zahl überrascht viele Geschäftsführer, weil das Marketing-Budget meistens nicht so geführt wird. Sie ist trotzdem die realistische Grössenordnung.

Hinzu kommen Onboarding-Kosten. Eine intern verantwortliche Person mit echter Inbound-Erfahrung ist im Schweizer Mittelstand selten zu finden. Wer extern eine erfahrene Senior-Position einstellt, kalkuliert mit vier bis neun Monaten Stellenbesetzungszeit und weiteren sechs bis zwölf Monaten Einarbeitung, bevor das Programm produktiv läuft.

Tooling

Die operative Werkzeugschicht ist günstiger, als viele erwarten.

CRM, je nach Anbieter: 50 bis 150 CHF pro User und Monat. Marketing-Automation: 500 bis 2'000 CHF pro Monat, je nach Kontaktvolumen. Analytics und Tracking: 0 bis 500 CHF pro Monat, je nach Anspruch. CMS: 0 bis 300 CHF pro Monat, abhängig von der bestehenden Lösung.

Wer das Tooling vor dem Programm konfiguriert, spart Reibung. Wer es parallel aufbaut, verliert die ersten drei bis sechs Monate an Werkzeug-Diskussionen, die nichts mit Pipeline zu tun haben. Mehr zur Aufstellung im Beitrag CRM-Implementierung im B2B: vom Datenfriedhof zum Werkzeug.

Die drei häufigsten Kostenfallen

Aus laufenden Mandaten drei wiederkehrende Muster, in denen Inbound-Programme deutlich teurer werden als geplant.

Falle 1: Themen aus dem Marketing-Editorialplan statt aus dem Vertrieb. Wer Inhalte produziert, die niemand sucht, zahlt für jedes Wort, das keine Pipeline-Wirkung entfaltet. Diese Falle wird in zwei von drei Programmen unterschätzt. Mehr im Beitrag Die fünf häufigsten Inbound-Marketing-Fehler im B2B-Mittelstand.

Falle 2: Tool-Switches im laufenden Programm. Wer im zweiten Quartal das CRM wechselt, im dritten die Marketing-Automation, im vierten das CMS, verliert Daten, Tracking und Rhythmus. Werkzeuge sollten am Anfang gewählt und dann mindestens 24 Monate gehalten werden.

Falle 3: Lange Freigabewege. Wenn jeder Artikel durch fünf Reviewer geht und drei Wochen liegt, ist die Kalkulation auf zwei Artikel pro Monat in Wirklichkeit eine Kalkulation auf einen Artikel pro Monat zum doppelten Preis. Freigaben sind ein Prozessthema, kein Qualitätsthema.

Wann sich der Aufwand rechnet

Eine Faustregel, mit der wir intern kalkulieren: Wenn dein durchschnittlicher Auftragswert im fünfstelligen Bereich oder höher liegt und dein Sales-Cycle mindestens drei Monate dauert, rechnet sich ein Inbound-Programm betriebswirtschaftlich praktisch immer.

Konkret: Bei einem Monatsbudget von 6'000 CHF und einer Anlaufzeit von zwei Quartalen kostet das Programm im ersten Jahr rund 100'000 CHF inklusive Setup. Ab Quartal drei kommen organische Anfragen. Eine einzige gewonnene Anfrage mit einem Auftragsvolumen von 80'000 bis 150'000 CHF amortisiert das ganze Jahresbudget. Zwei gewonnene Anfragen finanzieren bereits das zweite Jahr.

Wer einen sechs- oder siebenstelligen Customer Lifetime Value hat, kommt schneller in den positiven Bereich. Wer mit Aufträgen unter 10'000 CHF arbeitet, sollte vor dem Programm prüfen, ob die Mathematik überhaupt funktioniert. Mehr dazu im Beitrag Lohnt sich Inbound Marketing für ein 5-Personen-B2B-Unternehmen.

Was nicht in der Rechnung steht

Drei Kostenpositionen, die in keinem Standardangebot auftauchen, aber regelmässig anfallen.

Zeit der Geschäftsführung oder Senior-Berater. Inbound im B2B funktioniert nur mit echter Substanz, und Substanz kommt aus Köpfen, die das Geschäft kennen. Wer plant, das Marketing alleine produzieren zu lassen, plant ein Programm ohne Substanz.

Zeit des Vertriebs für Insight Sessions. Zwei Halbtage pro Quartal mit dem Vertriebsteam sind das absolute Minimum. Wer das nicht freistellen kann, hat ein Themenproblem, das kein Marketing löst.

Interne Diskussionen über Tonalität, Markenfragen und politische Sensitivitäten. Diese Kosten sind real, lassen sich aber nicht budgetieren. Sie entstehen, sobald Inhalte spezifisch werden und Kanten zeigen.

Eine realistische Bandbreite

Für ein B2B-Unternehmen im Schweizer Mittelstand mit 30 bis 250 Mitarbeitenden, fünf- bis siebenstelligen Auftragswerten und einem Sales-Cycle von drei bis neun Monaten liegt ein wirksames Inbound-Programm im ersten Jahr bei rund 80'000 bis 160'000 CHF Vollkosten. Ab dem zweiten Jahr fallen Setup-Kosten weg, das laufende Programm liegt dann bei 50'000 bis 130'000 CHF pro Jahr.

Das ist eine substantielle Investition. Sie steht im Verhältnis zu einem Aussendienst-Mitarbeiter mit Spesen, oder zu einem Messeauftritt mit Standbau, Reise und Abbaustress. Der Unterschied: Inbound-Inhalte kumulieren über Jahre. Messen und Aussendienst fangen jedes Jahr von vorne an.

Wer prüfen will, wo ein Inbound-Programm im eigenen Geschäft stehen könnte, kann mit einer Standortbestimmung anfangen. Was Inbound im B2B leistet und unter welchen Bedingungen, steht im Beitrag Inbound Marketing für B2B: was wirklich funktioniert.