Warum dein CRM nicht genutzt wird und was hilft

Wird ein CRM im Vertrieb kaum genutzt, steckt meist mehr dahinter als fehlende Disziplin. Fünf strukturelle Ursachen erklären die geringe Akzeptanz und zeigen, wie du das System wieder in den Arbeitsalltag bringst.

Jan-Hendrik HeuingAktualisiert

Wenn das CRM zum Datenfriedhof wird

Auf die Frage, ob ein mittelständisches Unternehmen sein CRM ernsthaft nutzt, höre ich oft: Wir haben es, im Prinzip läuft es, aber nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Hinter dieser vorsichtigen Antwort steckt nicht selten ein teurer Datenfriedhof.

Schnell gilt der Vertrieb als undiszipliniert, unwillig oder altmodisch. Nach unserer Erfahrung greifen solche Zuschreibungen zu kurz. Meist verhindern strukturelle Probleme, dass das CRM im Alltag angenommen wird. Die folgenden fünf Ursachen lassen sich konkreter beheben als mangelnde Disziplin.

Ursache 1: Das CRM kontrolliert, statt die Arbeit zu erleichtern

Vertriebsmitarbeitende pflegen ein CRM eher, wenn es ihnen im Tagesgeschäft hilft: Sie finden Kontakte schneller, können Notizen wieder aufrufen und bereiten Termine einfacher vor. Dient das System vor allem dazu, der Geschäftsführung die Aktivitäten des Vertriebs zu zeigen, bleibt die Pflege dagegen beim vorgeschriebenen Minimum.

In vielen mittelständischen Unternehmen, die wir gesehen haben, ist diese Balance verloren gegangen. Pflichtfelder dienen Berichten, Aktualisierungsintervalle passen nicht zum Vertriebsrhythmus und die sichtbaren Daten nützen der Geschäftsführung mehr als der Person im Kundentermin. Dann ist das CRM tatsächlich eine Last.

Prüfe deshalb jedes Feld: Hilft es den Vertriebsmitarbeitenden bei ihrer Arbeit oder nur beim Reporting? Reine Berichtsfelder sollten möglichst automatisiert, optional oder entfernt werden. In den Mandaten, in denen wir die Felder konsequent reduziert haben, stieg die Nutzung.

Ursache 2: Mehrere Systeme führen dieselben Daten

Arbeitet die Geschäftsführung weiter mit Excel-Listen, führt die Vertriebsleitung eigene Notizen und pflegt das Marketing noch ein weiteres Tool, ist das CRM nicht die führende Datenquelle. Es ist nur eine zusätzliche Ablage.

Dann tragen Vertriebsmitarbeitende Daten ins CRM ein, weil sie müssen, und parallel ins eigene Notizbuch oder Excel, weil sie damit arbeiten. Das verdoppelt den Aufwand und verschlechtert die Datenqualität.

Es braucht eine einzige verbindliche Quelle. Soll das CRM diese Rolle übernehmen, muss die Geschäftsführung ihre Besprechungen auf dessen Daten stützen und parallele Excel-Listen nicht mehr akzeptieren. Dieses Verhalten lässt sich nicht delegieren.

Ursache 3: Bedienung und Workflows passen nicht zum Alltag

Muss jemand sechs Mal klicken, um eine Kontaktnotiz abzulegen, oder für einen Termin in eine separate Maske wechseln, arbeitet die Bedienung gegen den Vertrieb. An stressigen Tagen bleibt die Eingabe aus. Nach drei oder vier Wochen ist ein Rückstand entstanden, der sich nur schwer aufholen lässt.

Oft liegt das weniger an der Plattform als an ihrer Konfiguration. Eine schlecht eingerichtete HubSpot-Instanz kann mühsamer sein als eine gut eingerichtete. Ebenso kann Pipedrive im Alltag schneller sein als eine ungünstig konfigurierte Salesforce-Instanz. Entscheidend ist der reale Vertriebsprozess, nicht die maximale Funktionsliste.

Gehe den Ablauf mit drei oder vier Vertriebsmitarbeitenden durch: Welche Aufgaben erledigen sie täglich? Wie viele Klicks benötigen sie dafür? Welche wiederkehrenden Schritte lassen sich vereinfachen oder automatisieren? Eine solche Prüfung dauert ungefähr einen Tag und hat die Nutzung in unseren Mandaten messbar verbessert. Hinweise zur Plattformwahl findest du im Vergleich HubSpot vs. Salesforce vs. Pipedrive.

Ursache 4: Die erfassten Daten bleiben folgenlos

Wenn eine aktualisierte Dealphase in der Wochensitzung nicht auftaucht, lernt der Mitarbeiter, dass die Eingabe keine Rolle spielt. Dasselbe gilt für einen Forecast, über den niemand spricht, oder für Notizen zu einem schwierigen Käufer, die niemand liest. Es ist nachvollziehbar, Arbeit zu reduzieren, deren Nutzen nirgends sichtbar wird.

Darum müssen die Vertriebsroutinen auf dem CRM aufbauen. Pipeline-Sitzungen und Forecasts verwenden CRM-Daten statt Excel oder die Erinnerung der Vertriebsleitung. Auch Coaching-Gespräche greifen konkrete Notizen aus dem System auf. Sobald die Daten tatsächlich genutzt werden, wirkt ihre Eingabe weniger wie eine Pflicht. Derselbe Ansatz hilft beim Sales-Marketing-Alignment, wie Sales & Marketing Alignment in der Praxis zeigt.

Ursache 5: Nach dem Go-live endet die Begleitung

Viele Projekte behandeln die CRM-Nutzung wie einen Schalter: Schulung am Stichtag, danach soll das System laufen. In der Praxis ist Adoption jedoch ein Prozess, der in den ersten sechs Monaten nach dem Go-live aktiv begleitet werden muss.

Fehlt danach eine verantwortliche Person, prüft niemand monatlich die Datenqualität und gibt es keine kompetente Anlaufstelle, nimmt die Akzeptanz ab. Was am Stichtag noch eingehalten wurde, ist nach drei Monaten teilweise vergessen. Bis Monat sechs hat der Vertrieb womöglich wieder eigene Umgehungslösungen entwickelt.

Plane deshalb für sechs Monate ein eigenes Adoptionsprogramm ein. Dazu gehören eine klare Verantwortung, monatliche Prüfungen der Datenqualität, kurze Mikro-Schulungen und ein Support, der sichtbar reagiert. Dieser Aufwand wird häufig unterschätzt. Wie er sich in den Gesamtkosten niederschlägt, behandelt Was kostet eine CRM-Einführung wirklich.

Was die Ursachen gemeinsam haben

Die Plattform allein entscheidet nicht über die Nutzung. Das CRM muss seinen Anwenderinnen und Anwendern nützen, die verbindliche Datenquelle sein, zum Vertriebsalltag passen und mit seinen Daten sichtbare Folgen auslösen. Dazu braucht es technische, organisatorische und kulturelle Arbeit.

Weder ein Plattformwechsel noch ein einzelner Workshop erfüllt diese Bedingungen von selbst. Die Geschäftsführung muss die Einführung mindestens während der ersten sechs Monate nach dem Go-live ernsthaft begleiten. Erst dann wird aus dem Datenfriedhof ein Werkzeug für Pipeline-Steuerung, Sales-Marketing-Alignment und realistischere Forecasts.

So kann eine Sanierung ablaufen

In vielen Fällen lässt sich ein schlecht genutztes CRM sanieren, ohne die Plattform zu wechseln. Zuerst wird geklärt, welche der fünf Ursachen dominieren. Häufig sind es zwei oder drei gleichzeitig. Danach folgt die Feldreduktion: Welche Pflichtfelder nützen wem, was kann weg? Anschliessend werden Pipeline-Sitzungen, Forecasts und Coaching konsequent auf CRM-Daten umgestellt. Den Abschluss bildet eine drei- bis sechsmonatige Adoptionsinitiative mit klarer Verantwortung und kleinen monatlichen Massnahmen.

In unseren entsprechenden Mandaten war die Nutzung nach drei Monaten spürbar und nach sechs Monaten deutlich höher, ohne dass die Plattform gewechselt wurde. Eine Standortbestimmung zeigt, wo dein CRM heute steht und welche Schritte sinnvoll sind. Unseren grundsätzlichen Ansatz erklärt CRM richtig nutzen.