Die Selling 7: Welche sieben Videos im B2B Vertrieb wirklich wirken
Video ist im B2B nicht Imagepflege, sondern Verkaufswerkzeug. Marcus Sheridan hat sieben Videotypen identifiziert, die messbar auf Abschluss und Sales-Cycle wirken. Welche das sind, in welcher Reihenfolge du sie produzierst, und warum schlank gedreht mehr bringt als Hochglanz.
Das teure Imagevideo, das niemand half
Fast jedes mittelständische Unternehmen, das ich besuche, hat es: das eine Imagevideo. Drohnenaufnahme über das Firmengebäude, Zeitlupe von Händen an einer Maschine, der Geschäftsführer sagt etwas über Leidenschaft und Tradition, dazu Klaviermusik. Fünfstellig gekostet, liegt auf der Startseite. Und kein einziger Mensch aus dem Vertrieb hat es je in einem Verkaufsprozess eingesetzt. Es fühlt sich gut an. Verkaufen tut es nichts.
Das Problem ist nicht Video. Das Problem ist diese Sorte Video. Im B2B ist Bewegtbild kein Mittel der Imagepflege, sondern ein Verkaufswerkzeug, und die wirksamen Formate sehen völlig anders aus als das Hochglanzstück. Marcus Sheridan, von dem auch die TAYA-Methode stammt, hat sieben Videotypen herausgearbeitet, die messbar auf Abschlussquote und Sales-Cycle wirken. Er nennt sie die Selling 7.
Dieser Beitrag geht alle sieben durch, erklärt die Reihenfolge, in der du sie produzierst, und macht klar, warum schlank gedreht hier mehr bringt als teuer produziert.
Warum Video im B2B überproportional wirkt
Drei Mechanismen machen Video im B2B-Kauf so stark. Erstens Vertrauen: Wer eine Verkäuferin sprechen sieht, bevor er sie trifft, geht mit einem Vorschuss an Vertrautheit ins Gespräch. Im B2B, wo über Monate hinweg Risiko abgekauft wird, ist das ein realer Vorteil. Zweitens Tempo: Zwei Minuten Video erklären einen komplexen Sachverhalt schneller und vollständiger als zwei Seiten Text, die ohnehin niemand zu Ende liest.
Drittens, und das wird am meisten unterschätzt: Konsumdaten. Bei Video siehst du, wer wie lange zugeschaut hat. Sieht ein Interessent dein Pricing-Video zu 90 Prozent an, ist das ein stärkeres Kaufsignal als jeder Seitenaufruf. Diese Information füttert direkt das Lead Scoring und sagt dem Vertrieb, wann sich ein Anruf lohnt.
Ein Punkt, an dem die meisten das Ganze falsch anpacken: Es geht nicht um Reichweite auf YouTube. Es geht um Videos, die der Vertrieb eins zu eins in den Verkaufsprozess einbaut. Dieselbe Logik wie beim Assignment Selling, nur im Bewegtbild.
Die ersten beiden: 80-Prozent-Video und Bio-Video
Das wichtigste Format zuerst. Das 80-Prozent-Video beantwortet die acht bis zehn Fragen, die der Vertrieb in praktisch jedem Erstgespräch beantwortet. Die Beobachtung dahinter: Achtzig Prozent jedes Verkaufsgesprächs sind jedes Mal dieselben Erklärungen. Packt man die in ein Video und schickt es vor dem Termin, kommen nur noch vorbereitete, ernsthafte Interessenten ins Gespräch, und die restlichen zwanzig Prozent Zeit gehen an das Individuelle. Kein anderes Format kürzt den Sales-Cycle so direkt.
Das Bio-Video stellt die Person vor, die der Interessent als Nächstes trifft. Kein Lebenslauf, sondern ein kurzer, menschlicher Einstieg: Wer bin ich, wie läuft unser Gespräch ab, was musst du nicht befürchten. Verschickt mit der Terminbestätigung, senkt es die No-Show-Rate und das Gespräch startet wärmer. Beide Formate brauchen keine Produktionsfirma. Eine ruhige Ecke, gutes Licht und ein Lavalier-Mikrofon reichen.
Die nächsten drei: Produkt-Fit, Pricing und Landingpage
Das Produkt-Fit-Video beantwortet, für wen ein Angebot geeignet ist und für wen ausdrücklich nicht. Genau diese Selbstdisqualifikation spart beiden Seiten Zeit. Wer nach dem Video merkt, dass er nicht passt, war ohnehin kein guter Lead. Wer bleibt, ist vorqualifiziert.
Das Pricing-Video ist das, vor dem sich die meisten am stärksten drücken. Und genau deshalb das wirksamste. Es erklärt, wie sich der Preis zusammensetzt, was ihn nach oben oder unten treibt und in welchen Spannen man sich bewegt. Es ersetzt keine individuelle Offerte, aber es nimmt dem Gespräch die Nervosität und filtert die heraus, deren Budget weit weg liegt. Die gleiche Wirkung wie ein guter Kostenartikel, nur persönlicher.
Das Landingpage-Video sitzt auf deinen wichtigsten Conversion-Seiten und erklärt in unter zwei Minuten, worum es geht und was der nächste Schritt ist. Es ist einer der zuverlässigsten Hebel, aus Traffic Anfragen zu machen, weil es die Einstiegshürde senkt, ohne dass der Besucher viel lesen muss.
Die letzten beiden: Kundenreise und Claims-Video
Das Kundenreise-Video (Customer Journey) ist die Bewegtbild-Variante der Fallstudie. Statt eines geschliffenen Testimonials zeigt es eine echte Kundin, die erzählt, wo sie vorher stand, was sie befürchtet hatte und wie es ausgegangen ist, samt Stolpersteinen. Gerade weil es nicht zu glatt ist, glaubt man es. Es bedient die Bewertungs- und Vergleichsfragen aus den Big 5 auf eine Art, die kein geschriebener Text erreicht.
Das Claims-Video nimmt eine Behauptung, die dein Marketing ständig macht (besonders schnell
, besonders sicher
, besonders persönlich
), und beweist sie. Nicht behaupten, zeigen: das Verfahren, die Messung, der Beleg. Es richtet sich an die skeptische technische Prüferin im Buying Center, die Marketingversprechen reflexhaft misstraut und einen Beweis sehen will.
Diese beiden sind aufwändiger, weil echte Kunden und echte Belege im Spiel sind. Deshalb stehen sie am Ende der Reihenfolge, nicht am Anfang.
Wie du anfängst, ohne ein Studio zu bauen
Die grösste Bremse ist der Anspruch an Perfektion. Wer auf das grosse Produktionsbudget wartet, dreht nie. Die wirksamen Selling-7-Videos sind bewusst schlicht: eine sprechende Person, klare Aussage, gutes Licht, sauberer Ton. Investiere in Mikrofon und Licht, nicht in die Kamera. Das aktuelle Smartphone reicht längst. Schlechter Ton lässt ein Video billig wirken, eine mittelmässige Bildqualität verzeiht man dagegen.
Die Reihenfolge in der Praxis: Beginne mit dem 80-Prozent-Video und dem Bio-Video, weil sie sofort im nächsten Verkaufsgespräch wirken und den Vertrieb überzeugen, dass die Sache etwas bringt. Diese frühe interne Akzeptanz entscheidet über alles Weitere, denn die Selling 7 funktionieren nur, wenn der Vertrieb sie auch tatsächlich verschickt. Genau daran scheitern Videoprojekte sonst: Sie werden produziert und dann nicht genutzt.
Wer Video von Anfang an in ein Content-Programm einbaut statt es als separates Projekt zu behandeln, bekommt aus jeder Käuferfrage zwei Assets, einen Artikel und ein Video, die sich gegenseitig stützen. Wenn du wissen willst, welche drei Videos in deinem Vertrieb am schnellsten etwas bewegen, schauen wir uns in einer Standortbestimmung deine wiederkehrenden Verkaufsgespräche an. Meist sind es das Pricing-Video und das 80-Prozent-Video, die als Erstes fehlen.
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