Warum du im B2B auf deiner Website über Preise sprechen solltest

Kein Preis auf der Website, dafür im ersten Termin die Frage: Was kostet das denn? Wer im B2B über Preise schweigt, verliert genau die Käufer, die am gründlichsten recherchieren. Warum Preistransparenz der wichtigste und heikelste Teil von They Ask, You Answer ist und wie du sie umsetzt, ohne Angebote zu verschenken.

Jan-Hendrik Heuing

Was kostet das denn eigentlich?

Die häufigste Frage im ersten Verkaufsgespräch ist fast immer dieselbe, und sie kommt früh: Was kostet das denn ungefähr? Bei einem unserer Kunden, einem Maschinenbauer, stand der Vertrieb an genau dieser Stelle regelmässig auf der Bremse. Das lässt sich pauschal nicht sagen, war die Standardantwort, gefolgt von einem Termin zur Bedarfsanalyse. Gut gemeint. Nur hörte der Interessent etwas anderes: Die wollen mir nicht sagen, was es kostet. Und ging zur nächsten Website.

Das ist der wunde Punkt fast jedes B2B-Anbieters. Auf der Website steht alles, nur nicht das, was der Käufer als Erstes wissen will. Und genau deshalb ist die Preisfrage der wichtigste und zugleich heikelste Baustein der TAYA-Methode. They Ask, You Answer heisst hier ganz konkret: Sie fragen nach dem Preis, also antworte darauf, öffentlich, bevor sie fragen müssen.

Warum das Schweigen teurer ist als die Zahl

Der Reflex, Preise zu verschweigen, ist nachvollziehbar. Die Sorge: Wenn wir eine Zahl nennen, schreckt sie ab, oder der Wettbewerb liest mit, oder wir verlieren den Verhandlungsspielraum. Nur hält keines dieser Argumente der Praxis stand.

Wer online recherchiert, tut das gründlich, und die Preisfrage steht ganz oben. Findet er auf deiner Seite keine Antwort, findet er sie trotzdem, nur eben nicht bei dir. Er schätzt selbst, vergleicht mit dem Falschen oder sortiert dich aus, weil er annimmt, dass kein Preis genannt gleichbedeutend ist mit zu teuer. Das Schweigen verhindert also nicht die Preisdiskussion. Es verlagert sie nur an einen Ort, an dem du nichts mehr erklären kannst.

Und der Wettbewerb? Der kennt eure Preise ohnehin, spätestens seit dem letzten gemeinsamen Angebot bei einem Kunden. Der Einzige, der im Dunkeln tappt, ist der Käufer, den ihr eigentlich gewinnen wollt.

Über Preise schreiben, ohne eine feste Zahl zu nennen

Der grösste Denkfehler ist die Annahme, Preistransparenz bedeute eine Preisliste. Das ist bei komplexen B2B-Leistungen weder möglich noch sinnvoll. Es geht nicht um die exakte Zahl, sondern darum, den Käufer in die richtige Grössenordnung zu bringen und ihm zu erklären, wovon der Preis abhängt.

Eine gute Kostenseite beantwortet vier Dinge. Erstens die Spanne: Projekte in diesem Bereich bewegen sich typischerweise zwischen X und Y. Das allein filtert schon, wer überhaupt passt. Zweitens die Faktoren: Was macht ein Projekt teurer oder günstiger, also Umfang, Komplexität, Integrationstiefe, Dringlichkeit. Drittens das Modell: Fixpreis, Aufwand nach Stunden, Retainer, und warum ihr es so haltet. Viertens die Abgrenzung: Wann sich das Ganze lohnt und wann nicht. Denn offene Absagen schaffen mehr Vertrauen als jedes Verkaufsversprechen.

Wer diese vier Punkte sauber beantwortet, nennt keine feste Zahl und ist trotzdem transparenter als 95 Prozent des Wettbewerbs. Der Käufer weiss danach, ob er im richtigen Laden ist. Genau das ist der Zweck.

Der Nebeneffekt: bessere Termine, weniger Zeitverschwendung

Preistransparenz ist nicht nur ein Vertrauenssignal, sie ist auch ein Filter. Wer nach dem Lesen der Kostenseite ein Gespräch anfragt, kennt die Grössenordnung und akzeptiert sie. Damit verschwinden zwei Sorten von Terminen, die vorher Zeit gefressen haben: die, bei denen am Ende die Budgetvorstellung um den Faktor drei danebenlag, und die, bei denen der Vertrieb eine halbe Stunde lang um die Preisfrage herumredet.

Genau hier greift die Verbindung zum Assignment Selling: Die Kostenseite wird zum Standard-Content, den der Vertrieb vor dem Erstgespräch verschickt. Der Interessent kommt vorinformiert, das Gespräch startet bei der konkreten Situation statt bei der Grundsatzfrage. Vorinformierte Käufer schliessen häufiger und schneller ab, weil sie mit realistischen Erwartungen in die Verhandlung gehen.

Dieser Effekt zeigt sich direkt in der Conversion. Seiten, die die Preisfrage beantworten, gehören fast immer zu den stärksten Anfragen-Treibern im ganzen Content-Programm, ein Muster, das wir unter Aus Traffic werden Anfragen genauer beschreiben.

Die Einwände, die wirklich kommen

Zwei Einwände hören wir in jedem Projekt. Der erste: Aber unsere Preise hängen wirklich vom Einzelfall ab. Stimmt. Und das ist kein Grund zu schweigen, sondern der Inhalt der Seite. Erkläre, wovon der Einzelfall abhängt. Der Käufer will keine falsche Sicherheit, er will verstehen, wie ihr rechnet.

Der zweite: Der Vertrieb will die Preishoheit behalten. Das ist ein echter Konflikt, und er lässt sich nur lösen, wenn Marketing und Vertrieb gemeinsam an der Seite arbeiten, statt gegeneinander. Wer im Buying Center mehrere Rollen überzeugen muss, weiss ohnehin: Die Person, die intern das Budget verteidigen muss, braucht eine belastbare Zahl aus einer glaubwürdigen Quelle. Genau die liefert die Kostenseite.

Der heikle Teil an They Ask, You Answer ist nie das Prinzip, sondern die Umsetzung genau an dieser Stelle. Über Preise zu schreiben fühlt sich riskant an, bis man es tut. Danach ist es fast immer die Seite mit der höchsten Wirkung. Wenn ihr überlegt, wo euer Content-Programm anfangen soll, ist die Preisfrage fast immer der richtige erste Schritt, und genau da setzt unser Ansatz meistens an.