KI-Textwerkzeuge im Test: ChatGPT, Claude und Jasper

ChatGPT, Claude und Jasper im Einsatz für B2B-Fachartikel: ihre Stärken, ihre Grenzen und die Aufgaben, die sie in der TAYA-Produktion übernehmen.

Jan-Hendrik HeuingAktualisiert

Was wir in diesem Praxistest vergleichen

Dieser Vergleich beruht auf unserer laufenden Produktion von B2B-Fachartikeln nach der TAYA-Systematik. Er ist kein Labor-Benchmark. Wir beurteilen, an welchen Stellen ChatGPT, Claude und Jasper im Arbeitsablauf Zeit sparen, ohne die fachliche oder sprachliche Qualität zu gefährden.

Keines der drei Werkzeuge hat in diesem Einsatz allein einen veröffentlichungsreifen Big-5-Artikel erstellt. Ohne menschliche Vorgaben und Prüfung entstehen leicht allgemeine Formulierungen oder falsche Aussagen. Weshalb reine Massenproduktion scheitern kann, erklärt KI-Texter, Mensch und Hybrid im Vergleich.

ChatGPT

ChatGPT deckt in unserem Vergleich die grösste Bandbreite an Aufgaben ab. Es eignet sich für eine erste Sortierung des Themas, alternative Gliederungen, die Überarbeitung schwer lesbarer Absätze und Zusammenfassungen aus Recherchematerial.

Grenzen zeigen sich bei Fachtiefe und Ton. Sobald ein Thema spezifisches Domänenwissen verlangt, kann der Text an der Oberfläche richtig wirken, im Detail aber falsch oder leer bleiben. Ohne genaue sprachliche Vorgaben fällt er zudem in wiederkehrende Standardformulierungen.

Wir verwenden ChatGPT deshalb als Werkstatt für Zwischenschritte: zum Gliedern, Umformulieren und Gegenprüfen, nicht als alleinigen Autor des fertigen Textes.

Claude

Claude war in diesem Praxiseinsatz besonders nützlich bei längeren Texten und klar vorgegebenem Ton. Über mehrere Absätze hielt es die gewünschte Linie besser und verwendete weniger Standardfloskeln. Aus stichwortartigen, bereits geprüften Notizen entstanden die brauchbarsten Rohfassungen im Vergleich.

Ohne konkrete Substanz im Prompt bleibt allerdings auch hier der Inhalt allgemein. Fehlende Fakten kann das Modell erfinden und ebenso sicher formulieren wie belegte Angaben. Bei jeder Aussage muss deshalb geprüft werden, ob sie aus dem Ausgangsmaterial stammt oder vom Werkzeug ergänzt wurde.

In unserer Pipeline dient Claude vor allem dazu, aus geprüfter Substanz Rohtext zu erstellen. Was der Abschnitt aussagen soll, entscheidet vorher ein Mensch.

Jasper

Jasper ist auf Marketingvorlagen und kurze Formate ausgerichtet. Für Werbetexte, Anzeigenvarianten, Produktbeschreibungen und Social Snippets bietet es Templates sowie einen hinterlegbaren Markenton. Teams mit vielen ähnlichen Kurztexten können damit Zeit sparen.

Für lange B2B-Fachartikel passte es in unserem Test weniger gut. Jasper greift im Hintergrund auf dieselben Modelltypen wie Generalisten zurück und ergänzt sie um eine Marketingebene, die bei sachlichen Fachtexten eher stört. Für die TAYA-Produktion blieben damit Funktionen übrig, für die wir wenig Verwendung hatten.

Wir sehen Jasper daher als Zusatzwerkzeug für Marketingteams mit hohem Kurztextvolumen, nicht als Kernwerkzeug für Fachartikel.

Gemeinsame Schwachstelle: erfundene Fakten

Alle drei Werkzeuge können eine falsche Zahl, ein erfundenes Studienergebnis oder eine nicht existierende Norm im selben sicheren Ton wie einen belegten Fakt ausgeben. Bei Fachartikeln fällt ein solcher Fehler den fachkundigen Lesern auf und kann die Glaubwürdigkeit des gesamten Textes beschädigen. Wie sich dieses Risiko im Prozess reduzieren lässt, steht in KI-Halluzinationen bei Fachthemen.

Eine weitere gemeinsame Grenze ist der Ton. Ohne Vorgaben zu Stimme, Rhythmus und unerwünschten Wendungen klingen die Ergebnisse glatt und austauschbar. Die Qualität hängt deshalb weniger von kleinen Modellunterschieden ab als von der fachlichen und redaktionellen Führung.

Die Aufgabenverteilung in unserer Produktion

Wir setzen die Werkzeuge als Assistenz ein. Sie bündeln Recherchematerial und fassen Quellen zusammen, liefern Varianten für Gliederungen, formulieren aus geprüften Stichpunkten einen ersten Absatz und helfen beim Gegenlesen fertiger Texte.

Positionen, Beispiele und Zahlen kommen von Menschen mit Mandatserfahrung. Diese Arbeitsteilung zwischen Mensch und Werkzeug erklärt KI-Texter, Mensch oder Hybrid.

Welches Werkzeug passt zu welcher Aufgabe?

Wenn du ein einziges, vielseitiges Werkzeug suchst, ist in diesem Vergleich ein Generalist die sinnvollere Wahl. Investiere Zeit in klare Prompt- und Tonvorgaben, statt für Funktionen zu bezahlen, die du nicht nutzt. Jasper lohnt sich vor allem, wenn dein Marketingteam laufend viele kurze Texte in ähnlichen Formaten braucht.

Unabhängig vom Werkzeug entscheiden die Qualität des Ausgangsmaterials und die anschliessende Prüfung über das Ergebnis. Die Kosten und Vertrauensfragen von KI-Texten vertieft KI-Content richtig kennzeichnen. Eine breitere Einordnung findest du im Hub KI für Marketing.