Wann TAYA im B2B scheitert: fünf häufige Gründe

TAYA braucht die Mitarbeit des Vertriebs, echte Offenheit, einen verlässlichen Rhythmus und realistische Erwartungen. Fünf Gründe zeigen, wann ein Programm scheitert und was du vor dem Start prüfen solltest.

Jan-Hendrik HeuingAktualisiert

Weshalb TAYA nicht in jedem Unternehmen funktioniert

Als Berater habe ich ein Interesse daran, dass TAYA gut aussieht. Gerade deshalb gehört zu einer seriösen Empfehlung auch die Frage, wann die Methode nicht passt. Wer die möglichen Bruchstellen vor dem Start prüft, vermeidet ein Programm, das nach neun Monaten als gescheitert gilt, obwohl wichtige Voraussetzungen nie vorhanden waren.

In unserer Arbeit hängen solche Misserfolge meist mit fünf Bedingungen zusammen. Die Reihenfolge entspricht der Häufigkeit, mit der wir sie beobachten.

1. Der Vertrieb arbeitet nicht wirklich mit

TAYA ist kein Marketingprogramm mit gelegentlicher Beteiligung des Vertriebs. Die Themen stammen aus Käufergesprächen, die fertigen Inhalte werden im Verkauf eingesetzt und ein Teil der Wirkung zeigt sich in der Pipeline. Ohne diesen Austausch schreibt das Marketing leicht an den tatsächlichen Fragen vorbei.

Typisch ist eine Insight Session, an der der Vertrieb zwar teilnimmt, deren Ergebnisse später aber nicht in Gesprächen verwendet werden. Es gibt keine Rückmeldung zu den Artikeln, und weitere Themen entstehen nur noch innerhalb des Marketings. Nach einem halben Jahr fehlt dem Programm der Bezug zum Markt.

Ein frühes Warnzeichen sind einsilbige Antworten in der ersten Session oder ausschliesslich Themen, die bereits im Pitch-Deck stehen. Dann lohnt sich ein Blick auf die Zusammenarbeit beider Abteilungen. Der Beitrag Warum Vertrieb und Marketing aneinander vorbeireden beschreibt mögliche Ursachen.

2. Die Offenheit endet bei den heiklen Fragen

TAYA behandelt Preise, Schwächen und namentliche Wettbewerber. Gerade diese Inhalte sollen Vertrauen schaffen. Viele Unternehmen werden jedoch zurückhaltend, sobald der erste konkrete Text zur Freigabe kommt.

Dann wird aus ab CHF 280'000 die Formulierung abhängig vom individuellen Bedarf. Ein Vergleich, der dem Wettbewerber zwei Stärken zugesteht, endet nach der Überarbeitung mit einem Sieg des eigenen Produkts in jeder Kategorie. Der Artikel sieht formal nach TAYA aus, beantwortet die Frage aber nicht mehr offen.

Käufer können den Unterschied zwischen nachvollziehbarer Transparenz und einer werblichen Inszenierung erkennen. Besonders problematisch ist ein Text, der Offenheit verspricht und dieses Versprechen im entscheidenden Moment nicht einhält.

3. Die Produktion hat keinen verlässlichen Rhythmus

Die Wirkung mehrerer aufeinander bezogener Inhalte baut sich über Monate auf. Ein einzelner Artikel genügt dafür nicht.

In manchen Unternehmen erscheinen in den ersten zwei Monaten vier Beiträge. Dann bindet das Quartalsende den Vertrieb, die Produktion stoppt und wird nicht wieder aufgenommen. Sechs Monate später gilt TAYA als unwirksam, obwohl nie genug Inhalte entstanden sind, um den geplanten kumulativen Effekt zu prüfen.

Hängt das ganze Programm an einer Person und fehlen feste Termine sowie klare Verantwortlichkeiten, ist eine längere Unterbrechung wahrscheinlich.

4. Die Geschäftsführung erwartet sofort neue Aufträge

TAYA wird in Quartalen geplant, nicht in Wochen. Wer innerhalb von drei Wochen Leads benötigt, ist mit Performance Marketing eher beim passenden Werkzeug. Den Unterschied erläutert TAYA vs. Inbound vs. Performance Marketing.

Das Problem liegt hier in der Erwartung. Die Geschäftsführung finanziert das Programm, rechnet aber nach einem Quartal mit ersten Aufträgen aus den Inhalten. Bleiben sie aus, wird das Budget genau dann gekürzt, wenn der geplante Aufbau noch läuft. Welcher Verlauf bei TAYA realistisch ist, behandelt Was TAYA wirklich für die Pipeline bringt.

5. Das Angebot selbst ist nicht wettbewerbsfähig

TAYA macht ein Angebot sichtbar und vergleichbar. Ist es schlecht positioniert oder gegenüber Alternativen strukturell im Nachteil, kann Content dieses Problem nicht verdecken.

In zwei unserer Mandate zeigten die Insight Sessions, dass der Vertrieb in jedem zweiten Gespräch mit demselben grundlegenden Nachteil konfrontiert war. Kein Artikel konnte ihn beheben. Unsere Empfehlung lautete deshalb, zuerst das Angebot zu überarbeiten und erst danach ins Marketing zu investieren.

Was hinter den fünf Gründen steckt

Vier der fünf Punkte betreffen vor allem Organisation und Kultur: das Verhältnis von Vertrieb und Marketing, die Bereitschaft zur Transparenz, die Disziplin in der Produktion und die Erwartungen der Führung. TAYA macht diese Bedingungen sichtbar, verursacht sie aber nicht.

Darum beginnt unser Programm mit einer Bestandsaufnahme und nicht direkt mit dem ersten Artikel. Die Qualität der Inhalte allein kann fehlende Voraussetzungen im Unternehmen nicht ausgleichen.

Prüfung vor dem Start

Kläre vor einer Investition fünf Fragen:

  • Arbeitet der Vertrieb regelmässig mit und verwendet die Inhalte?
  • Dürfen Preise, Nachteile und Wettbewerber konkret genannt werden?
  • Kann das Unternehmen den Produktionsrhythmus zwölf Monate halten?
  • Kennt die Geschäftsführung den nötigen Zeithorizont?
  • Ist das Angebot gegenüber den relevanten Alternativen wettbewerbsfähig?

Ein Zögern bei einer Frage spricht nicht automatisch gegen TAYA. Es zeigt, welche Voraussetzung zuerst bearbeitet werden sollte. Eine Standortbestimmung prüft diese Punkte, bevor ein grösseres Budget eingesetzt wird. Wenn die Bedingungen fehlen, raten wir von einem sofortigen Programm ab.